Neue OZ: Kommentar zu EU
Tabak
Richtlinie

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Osnabrück (ots) - Ganz oder gar nicht

Die Absicht ist gut: Die EU-Kommission möchte die Zahl der Raucher reduzieren. Die Umsetzung ist zweifelhaft: Wer seit 20 Jahren zur Zigarette greift, wird wohl nicht wegen schockierender Fotos auf der Packung von ihr lassen. Zugleich beweisen die EU-Politiker, dass sie auf einem Auge blind sind. Alkoholflaschen oder Verpackungen von fettreicher Nahrung mit deutlichen Warnungen und Schockfotos stehen nicht auf der Agenda der Europäischen Union.

Dabei wären sie hinsichtlich der Todesursachen ebenso wichtig wie die neue Tabakrichtlinie: Der Statistik nach steht Alkohol nach Bluthochdruck und Tabak in Europa an dritter Stelle für Erkrankung und Tod. Dennoch geht die Kommission nur gegen die Tabakindustrie mit aller Härte vor. Denn Rauchen sei die häufigste vermeidbare Todesursache in Europa, jährlich würden 700 000 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben.

Der Einwand von EU-Kommissar Tonio Borg, Alkohol sei lediglich bei Missbrauch gefährlich, der Tabakkonsum dafür grundsätzlich, greift zu kurz. Er tröstet nicht darüber hinweg, dass der Statistik zufolge allein in Deutschland jährlich etwa 74 000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums sterben und 1,3 Millionen abhängig sind. So sollte die EU ihren gesundheitspolitischen Maßstab nicht nur bei der Tabakindustrie ansetzen. Warnhinweise sollte es auch auf Schnapsflaschen und Chipstüten geben.

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