Neue OZ: Kommentar zu Literatur / Märchen

Osnabrück (ots) - Raum für Fantasie

Schneewittchen im gläsernen Sarg, der gestiefelte Kater, das tanzende Rumpelstilzchen: Grimms Märchen quellen über vor Figuren und Situationen, die vor allem eines sind, bildhaft und deshalb für die Fantasie überaus anregend. Illustratoren haben darauf seit jeher mit vielfältigen Bildschöpfungen reagiert. Doch sosehr einzelne Bildserien, wie etwa die des Jugendstilkünstlers Otto Ubbelohde, geradezu klassisch geworden sind, die Märchen der Brüder Grimm haben sich auch in dieser Hinsicht als unerschöpflich erwiesen.

Der Grund dafür ist in Sprache und Erzählhaltung der Grimms zu finden. Ihre Märchen haben einen Sound. Der klingt klar und gerade, direkt und einfach. Kein Wunder. Die Brüder Grimm haben nicht nur viele Märchen für ihre Sammlungen übernommen, sie haben diese Texte auch bearbeitet. Historische Details, Ausschmückungen, Episoden am Rande: Die Grimms kappten manches erzählerische Rankenwerk, reduzierten die Geschichten auf ihre grundlegende Struktur. Im Rückblick erweisen sich die genialen Brüder damit als wirkungssichere Erzähler. Denn sie haben Texte geschaffen, die Platz lassen für die Fantasie und damit für die Bilder, die Leser sich selbst schaffen.

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