Neue OZ: Kommentar zu Vatikan / Kunst / Museen

Osnabrück (ots) - Glanz für das kulturelle Kapital

Mein Haus, mein Boot, mein Pool? Von wegen. Mein Michelangelo, mein Raffael, mein Bernini! Das haben die Päpste vor Jahrhunderten selbstbewusst skandiert. Kein Wunder, dass Landsknechte einst Raffaels Malereien mit ihren Piken malträtierten. Sie zeigten sich damit nicht roh, sondern ziemlich gewitzt. Denn sie stachen gezielt auf die kostbarsten Statussymbole des geflohenen Papstes ein. Nur die hoheitliche Würde der Kunst Raffaels blieb ihrer Wut unerreichbar.

Raffaels Stanzen erfüllen nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion. Statussymbole sind sie dennoch geblieben. Restaurierungen machen das immer wieder deutlich. Denn sie erneuern mit dem Glanz der Farben auch den symbolischen Status der Wandbilder. Ihr Weltruhm macht sie zu einem kulturellen Kapital von unschätzbarem Wert. Der Preis: Die Räume selbst sind heute eine Transferzone, durch die Touristengruppen wie ein Gezeitenstrom fluten. Raffaels Bilder werden eher begafft als bewundert. Vielleicht haben die Landsknechte einst genauer hingeschaut. Sie wussten, was sie beschädigten. Ihre Aggression setzte Kenntnisse voraus.

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