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Neue OZ: Kommentar zu Prozesse
Schifffahrt

Osnabrück (ots) - Der Hauch des Abenteuers

Ein Seeräuber-Prozess in Deutschland? Was zunächst klingt wie die abenteuerliche Erfindung eines Romanautors, ist seit gestern Realität. Zehn Somalier müssen sich wegen des Kaperns eines Schiffes vor Gericht behaupten. Wahrscheinlich ist, dass der Prozess schon bald nichts Abenteuerliches mehr haben wird. Zunächst geht es um Recht und Gesetz. Das Kapern eines Schiffes und die anschließende Schießerei an Bord sind keine Kavaliersdelikte. Den Angeklagten drohen hohe Haftstrafen.

Allerdings wird das Gericht die Lebensumstände der mutmaßlichen Täter ausleuchten - und sie im Urteil wahrscheinlich berücksichtigen. Dabei könnte ein Bild entstehen, das nichts zu tun hat mit den Fantasien von Romanautoren. Somalia ist ein Land ohne Regierung, in dem Menschen oft genug ums Überleben kämpfen. Noch wissen wir wenig über die Hintergründe der Angeklagten. Wahrscheinlich haben ihre Geschichten aber viel mit der Armut am Horn von Afrika zu tun. So könnte der Prozess das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme der Region schärfen. Das wäre der erfreuliche Effekt eines Verfahrens, das ansonsten völker- und strafrechtlich ziemlich umstritten ist. Viele werden für die Angeklagten ohnehin schon jetzt auch dies empfinden: Mitleid.

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