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Neue OZ: Kommentar zu EU
Finanzkrise

Osnabrück (ots) - Lokomotive ohne Waggons

Verkehrte Welt. Die deutsche Wirtschaftslokomotive läuft zwar wieder rund, aber sie zieht andere Volkswirtschaften Europas nicht mehr mit. Deren Schuldenberge wachsen derart, dass Staatspleiten wahrscheinlicher werden. Das Bild von der zugkräftigen Lok stimmt nicht mehr. Wer hat vergessen, die Waggons anzuhängen?

Der Verdacht breitet sich in Europa aus, Deutschland habe sich auf Kosten anderer Staaten saniert - die Rede ist vom "Merkel-Crash". Das ist zynisch. Denn Deutschland erntet vor allem die Früchte harter Reformen, die es anderswo nicht gegeben hat. Wer aber mit dem Finger nur auf die anderen zeigt, der begeht einen gefährlichen Fehler.

Nichts wird Europa jetzt mehr schaden, als wenn es sich spaltet. Die Volkswirtschaften sind so eng miteinander verknüpft, dass sich die Probleme nicht trennen lassen. Geht Griechenland pleite, hängt Deutschland mit drin. Das ist beängstigend, aber kein Grund, die Nerven zu verlieren. Europa arbeitet hart an der Bewältigung der Finanzkrise. Es verpasst sich eine gemeinsame Wirtschaftspolitik. Pleitekandidaten wie Griechenland oder Irland reformieren sich endlich. Falls das nicht reicht, wäre Berlin allerdings gut beraten, die Bürger auf weitere Wirtschaftshilfen vorzubereiten, wie sie Griechenland schon erhalten hat. Das ist wahrlich keine angenehme Perspektive. Aber vielleicht die einzige Möglichkeit, um die Waggons wieder an die Lokomotive zu koppeln.

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