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Neue OZ: Kommentar zu Medien /RTL 2
Tatort Internet

Osnabrück (ots) - Tatort Fernsehen

Dass sich Erwachsene mit sexuellen Absichten über das Internet an Kinder heranmachen, ist pervers, abstoßend und nicht zu tolerieren. Doch wir leben in einem Rechtsstaat. Härtere Gesetze kann man diskutieren. Es bleibt aber Aufgabe von Polizei und Justiz, Täter zu fassen und zu bestrafen.

Selbst ernannte Pseudo-Ermittler, die investigative Recherche mit effektheischender Inszenierung platter Sex-Klischees verwechseln, können dies nicht leisten. Der aktuelle Fall zeigt die Verlogenheit des Formates "Tatort Internet": Fünf Monate lang verschwiegen die Macher das Verhalten des Heimleiters und gaben ihm die Gelegenheit, weiter Kinder anzuschreiben. Dafür breitete RTL2 seinen Lebenslauf erst jetzt in allen Details aus, obwohl der Mann nicht einmal wusste, dass er gefilmt worden ist.

Es geht den Machern weniger um den Schutz der Kinder als vielmehr um das Quoten steigernde Prinzip der öffentlichen Denunziation potenzieller - vielleicht oft nur vermeintlicher - Täter. Denn für den Heimleiter gilt in Bezug auf sexuelle Gewaltausübung bis dato die Unschuldsvermutung. Fakt sind nur anzügliche Dialoge mit einer Schauspielerin, die auch ihren Beitrag zum perfiden Anmach-Spiel geleistet hat.

"Erstes Sex-Ekel gefeuert", titelte die "Bild"-Zeitung, die erneut Stephanie zu Guttenberg für ihren Einsatz adelte, ohne auf die Kritik an dem Format einzugehen. Bleibt zu hoffen, dass das Blatt nicht bald schreiben muss: "Tatort Fernsehen: Erster Unschuldiger in den Freitod getrieben". Das wäre der GAU für das in der Sache begrüßenswerte Anliegen der Ministergattin.

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