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Neue OZ: Kommentar zu USA
Justiz
Hinrichtung

Osnabrück (ots) - Im Bunde der Henker

Alle Proteste und Appelle, diese Hinrichtung noch zu verzögern oder zu verhindern, blieben ohne Wirkung: Teresa Lewis erhielt die tödliche Giftspritze. Dass der US-Bundesstaat Virginia erst nach hundert Jahren wieder das Todesurteil an einer Frau vollstreckte, hat dabei nur statistischen Wert. Exekutionen - ganz gleich, ob durch Strang, Elektrostuhl oder Spritze - sind ein barbarischer Akt, der weltweit geächtet gehört.

Auch wenn die Beweislast eindeutig gegen Lewis sprach, sie den heimtückischen Mord an Stiefsohn und Ehemann aus Habgier in Auftrag gab, um die Lebensversicherung zu kassieren, so rechtfertigt dies nicht die Todesstrafe. Die durchaus verständliche emotionale Entrüstung über die Tat und das Verlangen nach einer harten Sanktion dürfen nicht über Moral und Menschlichkeit triumphieren.

Umstritten war das Todesurteil zudem, weil der Intelligenzquotient der Verurteilten knapp über dem Wert lag, der eine Hinrichtung ausschließt. Allein schon deshalb hätte Virginias Gouverneur Bob McDonnell von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch machen müssen: Der Tod der geistig zurückgebliebenen Frau ist völkerrechtlich grenzwertig.

Die scharfe Kritik von Menschenrechtlern gilt daher zu Recht auch US-Präsident Barack Obama, der in diesem Fall qua Amt unbeteiligt blieb. Als Friedensnobelpreisträger jedoch fehlt sein Engagement für die Abschaffung der Todesstrafe. So bleiben die USA mit China, dem Iran, dem Irak und Saudi-Arabien im Bunde der Henker.

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