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Neue OZ: Kommentar zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts wegen Untreue

Osnabrück (ots) - Der Jagdlogik entgegentreten

Die Kasse eines Geflügelzüchtervereins wird in Deutschland oft penibler überprüft als diejenige manches Konzerns, der von angestellten Managern geführt wird. Gemessen an der Bedeutung für die Gesellschaft, müsste es umgekehrt sein. Denn große Unternehmen bestimmen mit über Wohl und Wehe der ganzen Wirtschaft. Zudem haben sie für viele andere Firmen eine Vorbildfunktion.

Dass sie dieser in der jüngeren Vergangenheit oft nicht gerecht wurden, liegt an Managern, die sich der Untreue schuldig gemacht haben. Noch immer ist für Entscheider in Chefetagen die Verlockung groß, mit dem Geld der Firmeneigentümer leichtfertig umzugehen. Wer vor allem seine Karriere im Sinn hat, verfällt der Jagdlogik. Danach kann man fette Beute nur mit einem großen Köder machen.

Für die Wirtschaftsmoral ist es gut, dass das höchste deutsche Gericht dieser Logik widerspricht und das Führen schwarzer Kassen zu Bestechungszwecken klar als Straftat definiert. Es ist eben nicht das Wohl von Aktionären, sondern zuerst der eigene Vorteil, den freigiebige Manager beim Umgang mit korrupten Auftraggebern sehen.

Dass der Berliner Bankenskandal nach dem gestrigen Urteil vor dem Landgericht neu aufgerollt werden muss, ist weniger gut für die Moral. Denn womöglich werden die Urteile für die Verantwortlichen nun abgemildert. Das Prinzip, wonach bei Untreue der Vermögensschaden künftig konkret ermittelt werden muss, ist gleichwohl richtig.

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