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Neue OZ: Kommentar zu Unternehmen
Karstadt

Osnabrück (ots) - Tradition kann auch Hemmschuh sein

Wer hätte das gedacht: Freudensprünge bei Gewerkschaftern und Karstadt-Mitarbeitern, und das über den Verkauf an die globale Finanzholding Berggruen, nichts anderes als eine "Heuschrecke" also. Der Fall zeigt: Hat ein Unternehmen Qualität und Perspektive, finden sich auch private Geldgeber. Nicht zwingend ist der Staat vonnöten, wie es - siehe Opel - gerne gesagt wird. Gelingt Karstadts Verkauf, ist er außerdem ein wichtiges und für Deutschland nach wie vor seltenes Beispiel, wie eine Pleite nicht zur Pulverisierung, sondern zur Neuausrichtung führen kann. Der Makel einer Insolvenz, früher oft das Todesurteil, schwindet so zum Wohle aller Firmen, die in eine solche Lage geraten können.

Berggruens Übernahme bleibt gleichwohl kühn. Sein Konzept ist letztlich das bessere zweier schlechter. Wie Umsatz und Rendite steigen sollen, bleibt offen. Und wie Mitbieter Triton fokussiert der Milliardär zunächst auf Kostensenkung. Auf Dauer hilft das allerdings nicht. Ohne Kunden, Kaufkraft und Konzept sind selbst niedrigere Mieten und gedeckelte Gehälter zu hoch. Mit Thomas Middelhoff scheiterte zudem bereits ein vermeintliches Wirtschafts-Wunderkind krachend an Karstadt. Berggruen muss erst beweisen, dass er es besser kann.

Immerhin, ob in Skandinavien, Spanien oder Holland: Es gibt Beispiele für gut laufende Kaufhäuser. Leider nur handelt es sich oft gerade nicht um Traditionsmarken, sondern brandneu aufgestellte, dynamische Ketten, die mit preiswürdigem Marketing und klarer Zielgruppe in kurzer Zeit Kultstatus erlangen. Karstadts Historie könnte sich insofern sogar noch als Hemmschuh erweisen.

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