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Neue OZ: Kommentar zu EU
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Osnabrück (ots) - Mit allen Bannern

Von den Eidgenossen heißt es bei Diebold Schilling, um Bern zu retten, seien sie im Juni 1476 "mit allen Bannern" und "mit ganzer Macht" dem Herzog von Burgund entgegengetreten. Das war schicksalhaft für den Zusammenhalt jenes Bundes von Stadt- und Bauernrepubliken, aus dem später die Schweiz entstand. Ähnliches erlebt Europa im Mai 2010. Seine Einigung und seine gemeinsame Währung hängen nicht minder schicksalhaft an der Bereitschaft, die Spekulation gegen einzelne Länder geschlossen und mit ganzer Finanzmacht abzuschmettern. Daher geht das irrwitzig dicke Rettungspaket für Griechenland politisch in Ordnung. Auch wenn der Ausgang des Kampfes gegen die skrupellosesten Söldner des Geldes zunächst so offen ist wie damals jener gegen die Söldner des Burgunders.

Allerdings: Selbst wenn die Regierungen die Oberhand behalten, ist ihr Erfolg noch nicht gesichert. Mangels Disziplin und eines gemeinsamen Ziels, das über Bern hinausreichte, ernteten am Ende nicht die Schweizer die Früchte ihrer Siege, sondern Frankreich und Österreich. Übersetzt heißt das: Lässt Europa unter dem Eindruck kurzfristiger Erfolge die Währungsstabilität, eine halbwegs solide Etatgestaltung, die Unabhängigkeit seiner Zentralbank auf Dauer fahren, wird das nur außereuropäischen Mächten und Investoren nützen. Diese Gefahr ist real. Und sie ist größer denn je.

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