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Neue OZ: Kommentar zu Nahost
Israel
Barak

Osnabrück (ots) - Wer stehen bleibt, geht unter

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak mag ein mäßiger Politiker sein. Doch aus der Erfahrung als überaus erfolgreicher Soldat trifft er mit seiner Kritik den Punkt: Israel verlässt sich unter Benjamin Netanjahu viel zu sehr auf militärische Stärke; die aber ist noch kein Wert an sich.

Sie schützt vor Erpressung. Der Politik verschafft sie Zeit und Gestaltungsspielraum. Wertvoll wird militärische Stärke aber erst, wenn Politik damit stabile Beziehungen zu möglichst vielen Partnern aufbaut. Und im Umgang mit Gegnern Verhältnisse schafft, die dereinst auch ohne Drohung und Gewalt Bestand haben - selbst unter veränderter Kräfte- und Machtverteilung. Genau das leistet die Regierung Netanjahu mit ihrer Siedlungs- und Besatzungspolitik noch weniger als ihre Vorgängerinnen. Aus gutem Grund warnt daher der jordanische König vor Krieg, zügelt die Schutzmacht USA nur mühsam ihren Zorn.

In diesem Politik-Versagen liegen Tragik und Gefahr. Unter Multi-Bedrohung und unter großen Opfern haben die Tapferkeit ihrer Soldaten und nicht zuletzt Amerikas Treue der israelischen Demokratie zu Selbstbehauptung und regionaler militärischer Vormachtstellung verholfen. Wer dabei stehen bleibt, geht aber unter. Die historischen Beispiele reichen von Sparta bis zum Sowjetblock. Ein Gegenbeispiel findet sich nicht.

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