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Neue OZ: Kommentar zu Literatur

    Osnabrück (ots) - Ein Leben auf Probe

    Glückssuche, andere Lebensentwürfe, scheiternde Hoffnungen: Orhan Pamuks Votum für "Anna Karenina" als besten Roman mag einiges für sich haben. Tolstois Epos macht die Totalität des Lebens sichtbar. Aber das gilt für viele andere Romane auch. Die Gattung wird heute dafür geschätzt, wofür sie früher gescholten wurde: ihre Fähigkeit, Menschen auf Traumreisen zu entführen. Im Roman avanciert die Fantasie zum Medium eines Lebens auf Probe.

    Pamuk macht darauf aufmerksam, dass damit nicht bloße Unverbindlichkeit gemeint ist. Wer Romanhandlungen nachvollzieht, aktiviert sein Engagement - auf allen Ebenen. Darin liegt die ernsthafte Dimension der scheinbaren Wirklichkeitsflucht der Leser. Wer fiktiven Lebensläufen folgt, wird allerdings auch immer mehr Bewusstheit für den eigenen entwickeln. Darin liegt der Gewinn der Romanlektüre. Sie schafft Klarheit - für das ganz und gar wirkliche Leben.

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