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Neue OZ: Kommentar zu Venezuela
Chávez

    Osnabrück (ots) - Soziales Pulverfass

    Für Venezuelas Staatschef Hugo Chávez wird es ungemütlich. Die Proteste in Caracas zwingen den Fallschirmjäger zwar nicht, die Reißleine zu ziehen. Doch zeigen die Gegner dem Machtmenschen ungewohnte Grenzen auf. Vor allem: Chávez dürfte zunehmend klar werden, dass sich sein Land in ein soziales Pulverfass verwandelt.

    Noch erlaubt ihm eine Ölförderung von mehr als 2,5 Millionen Barrel pro Tag die Finanzierung seiner Misiones. Aber mit diesen Sozialprojekten etwa für Bildung und Gesundheit kann Chávez die Armen nur bei hohen Öleinnahmen umgarnen, auf denen über die Hälfte des Staatsetats basiert. Schlägt diese Kalkulation fehl wie Anfang des Jahres, als der Barrelpreis rapide sank, bröckelt die Unterstützung für Chávez.

    Denn immer mehr Venezolaner haben nach Verstaatlichungen von Kaffee-, Öl- und Reisfabriken und dem Lizenzentzug von Rundfunksendern genug von Staatskontrolle, Enteignung und gefledderter Freiheit. Das geplante Bildungsgesetz, das Chávez womöglich Zugriff auf Schulen und Universitäten ermöglicht, wollen die Anti-Chávisten schon gar nicht dulden. Dieses explosive gesellschaftliche Gemisch erhält für den Rest der Welt zusätzliche Brisanz durch Chávez' Allianzen mit den Staatschefs in Iran und Libyen - besonders in Zeiten, in denen der Zugang zu Energie die Macht einer Nation zementiert.

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