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Neue OZ: Kommentar zu Afghanistan
Bundeswehr
Kundus

    Osnabrück (ots) - Ein trauriger Tag

    Dies ist ein trauriger Tag für Afghanistan - und für die Bundeswehr: Dutzende Menschen kommen auf deutschen Befehl hin ums Leben, nachdem erstmals Luftwaffenunterstützung gegen die Taliban angefordert wurde. Dass unter den Toten viele zivile Opfer sind, ist zwar nicht sicher, aber höchst wahrscheinlich. Augenzeugen berichten von zahlreichen Dorfbewohnern, die sich zum Zeitpunkt der Bombardierung in unmittelbarer Nähe der Taliban aufgehalten hätten.

    Ob es sich um eine krasse Panne in der Einsatzführung handelt, wird wohl nicht so schnell geklärt. Sicher gab es gute Gründe für die Bomber-Anforderung. Wichtig ist jedoch, dass die Bundeswehr nichts verschweigt und alles Mögliche zur Aufklärung beiträgt. Eine Fehleinschätzung der Lage ist bedauerlich, passiert aber leider in unübersichtlichen Kriegssituationen immer wieder. Denn um Krieg handelt es sich im Norden Afghanistans, den die Taliban durch ihre gezielten Manöver terrorisieren und kontrollieren wollen. Diese Realität muss Verteidigungsminister Jung endlich zur Kenntnis nehmen, statt weiter von einem robusten Stabilisierungseinsatz zu schwafeln.

    Deutsche Soldaten als geschätzte Aufbauhelfer - dieses Bild ist endgültig verzerrt. Das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung dürfte nun noch mehr schwinden. Der Einsatz am Hindukusch wird zudem den Wahlkampf anheizen und Wasser auf die Mühlen derer gießen, die den Truppenrückzug fordern.

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