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Neue OZ: Kommentar zu Putin

    Osnabrück (ots) - Der Verhinderer

    Putin der Eroberer - in dieser Pose inszeniert sich Russlands starker Mann am liebsten, in dessen Händen seit zehn Jahren die Fäden der Macht zusammenlaufen.

    Vordergründig sogar mit einer gewissen Berechtigung: Putin hat die Kaukasier dies- und jenseits der Grenze gezüchtigt, übermächtige Wirtschaftsmagnaten und Gouverneure gestutzt, die Ukrainer per Gashahn am Gängelband gehalten, die Spaltung der Republik Moldau zementiert. Mehr Wohlstand und mehr soziale Sicherheit für viele Russen als vor zehn Jahren runden seine Bilanz.

    Die strahlt aber nur hell, wenn außer Acht bleibt, welch enormen Preis Russland für die Erfolge Putins zahlt. Den gesellschaftlichen Aufbruch der Neunzigerjahre hat er abgewürgt. Der Geheimdienst, Putins wahre Familie, unterwandert Staat und Wirtschaft in einem Maße, das allenfalls in der Rolle des Militärs in Pakistan eine Entsprechung findet. Sowjetseligkeit, Gleichschaltung der Medien, Beugung des Rechts und Korruption sind sichtbare Folgen. Getrieben von Zwangsvorstellungen, hält Putin die Außenwelt auf Distanz. Mit dem bitteren Ergebnis, dass sich außer ein paar Diktaturen Zentralasiens heute niemand freiwillig an Russland lehnt.

    Deshalb wird Putin kaum als Eroberer, gar als Gewinner für sein Land in die Geschichte eingehen. Viel eher als Wladimir der Verhinderer.

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