Deutscher Philologenverband

Deutscher Philologenverband zu dem Amoklauf von Winnenden
Für eine Kultur des Hinschauens und Hinhörens an unseren Schulen und in unserer Gesellschaft

Berlin (ots) - Nach dem entsetzlichen Amoklauf von Winnenden hat sich der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dafür ausgesprochen, in unserer Gesellschaft und an den Schulen verstärkt eine Kultur des Hinschauens und Hinhörens zu entwickeln, in der man mehr Anteil am anderen nehme. Dies könne dazu führen, dass offene oder verdeckte Signale von jungen Menschen, die sich in Gewalt- und Rachephantasien verlören, früher wahrgenommen werden könnten. Allerdings sei es auch wenig hilfreich, künftig in jedem Schüler, der viel Zeit mit Egoshootern und Horrorfilmen verbringe, sofort einen potentiellen Amokläufer zu sehen. "Es wird keine Patentrezepte geben, die solche Vorfälle hinkünftig ausschließen. Selbst im einwohnerarmen friedlichen Finnland mit seiner vorbildlichen Versorgung mit Schulpsychologen hat es in den letzten beiden Jahren 20 Tote durch Amokläufe in Schulen gegeben. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es inzwischen durch bisherige Amokläufe wie in Columbine und Erfurt und gespeist von Killerspielszenarien quasi fertige "Drehbücher" für künftige Taten in den Köpfen einzelner labiler jugendlicher Einzelgänger gibt, die nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind. Die Hoffnung, es könnte sich bei Erfurt um ein singuläres Ereignis gehandelt haben, ist seit gestern endgültig dahin!", sagte Meidinger.

Videoanlagen, Sicherheitsschleusen, Eingangskontrollen und Metalldetektoren würden nach Ansicht des Verbandsvorsitzenden aber in keiner Weise für mehr Sicherheit an Schulen sorgen. "Das sind Vorschläge von Personen, die schon lange keine Schule mehr von innen gesehen haben!", fügte er an.

Man müsse neben der Arbeit an einer Kultur des Hinschauens in unserer Gesellschaft insbesondere dafür sorgen, dass die oben beschriebenen "Drehbücher" nicht in die Realität umgesetzt werden könnten. Alle bisherigen Vorfälle hätten gezeigt, dass der leichte Zugriff zu Waffen der Kernpunkt sei, wo aus einer Rachephantasie eine Rachetat werde.

"Viele Schulleitungen schaudern bei dem Gedanken, dass sie keine Ahnung haben, wie viele ihrer Schüler sich zuhause oder anderswo eventuell Zugriff zu Waffen verschaffen könnten. Diesen möglichen Zugriff noch weiter zu erschweren, ist dringend notwendig", so der Verbandsvorsitzende.

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