WHU - Otto Beisheim School of Management

Familienunternehmen verhalten sich anders bei Unternehmensübernahmen

Vallendar (ots) - Familienunternehmen bieten im Durchschnitt geringere Übernahmeprämien für den Kauf eines anderen Unternehmens. Denn insbesondere im Vergleich zu Unternehmen im Streubesitz können Familienunternehmen riskante Entscheidungen beziehungsweise Fehlentscheidungen der Vorstände besser verhindern. Das ergab eine aktuelle Studie der WHU - Otto Beisheim School of Management.

Bei der Übernahme von Firmen werden häufig überhöhte Übernahmeprämien bezahlt. Einer der Gründe hierfür ist, dass nicht selten das Gehalt der Vorstände nach einer großen Übernahme steigt. Dabei werden Risiken jedoch oft zu niedrig und zu erwartende Synergien zu hoch eingeschätzt - Vorstandsentscheidungen, die Aktionäre sehr viel Geld kosten können.

"Wir stellten uns die Frage, welcher Typ Aktionär die Vorstände am besten von solchen Entscheidungen abhalten kann", erklärt Juniorprofessor Max Leitterstorf, der an der WHU am Institut für Familienunternehmen forscht. Zusammen mit seinem Co-Autor untersuchte er 149 Übernahmeangebote, die für börsennotierte Unternehmen im deutschen Prime Standard abgegeben wurden. "Die Machtbalance zwischen Aktionären und Vorständen hängt insbesondere davon ab, wie stark die Aktien gestreut sind", erläutert der Forscher. "Während Kleinaktionäre in der Regel kaum Einfluss auf den Vorstand haben, hat ein Ankeraktionär mit mindestens 25 Prozent der Stimmrechte eine viel stärkere Position. Er kann Vorstandsentscheidungen verhindern, wenn er diese als falsch oder zu riskant einschätzt." Unternehmen mit einem Ankeraktionär sollten also im Durchschnitt eine geringere Übernahmeprämie bieten als Unternehmen ohne Ankeraktionär.

Innerhalb der Gruppe der verschiedenen Ankeraktionäre sticht jedoch die Familie als Ankeraktionär besonders hervor. Denn für Familien steht häufig das Bewahren des Unternehmens und die Weitergabe an die nächste Generation im Vordergrund. Deshalb wird die grundsätzlich ohnehin schon riskante Entscheidung einer Übernahme besonders kritisch betrachtet. "Eine vorsichtige Familie würde so zum Beispiel bei Schätzungen für mögliche Synergien einen niedrigen Wert ansetzen und somit nur eine geringere Übernahmeprämie anbieten", so Leitterstorf. "Dieser Effekt des vorsichtigen Vorgehens wird noch weiter verstärkt, wenn der CEO des Unternehmens aus der Familie stammt."

Dies belegen auch die Daten der Studie: Familienunternehmen bieten noch niedrigere Prämien als Unternehmen mit anderen Ankeraktionären. Besonders niedrig sind die Prämien, die Familienunternehmen mit einem Familien-CEO offerieren.

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