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WAZ: Vergiftetes Miteinander - Kommentar von Frank Preuß zu Gewalt

Essen (ots) - Es ist billig, immer nur zu wiederholen, dass man doch fassungslos sei, wie oft Beamte mittlerweile angepöbelt oder angegriffen werden. Es greift auch zu kurz, ständig auf steigende Unzufriedenheit hinzuweisen und auf wachsendes Aggressionspotenzial als verzweifelten Hilferuf in einer immer unübersichtlicheren Welt - es mag ja stimmen.

Die Hemmschwelle ist gesunken, weil der Staat schlechtgeredet wird. Seit Jahren. So werden seine uniformierten Vertreter zu Zielscheiben. Schlechtgeredet von rechtspopulistischen Eiferern, die sich eine andere Republik wünschen. Aber auch bis in die bürgerliche Mitte hinein, wo es zum Standardrepertoire gehört, über all das lautstark zu schimpfen, was vermeintlich schief läuft. Dass Politiker keinen Kontakt mehr zur Bevölkerung hätten oder deutsche Richter zu lasch urteilten, sind zwei dieser schnell dahergeplapperten Allgemeinplätze.

An der Stimmung im Land müssen wir alle mitarbeiten. So schlecht geht es uns übrigens nicht. Die Empörungsfreude, zu der sich so viele auch in den sozialen Netzwerken hinreißen lassen, die Lust, jedes Kinkerlitzchen zur nationalen Katastrophe aufzublasen, vergiftet unser Miteinander.

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