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WAZ: Das Wann ist nicht entscheidend - Kommentar von Stefan Schulte zur Braunkohle

Essen (ots) - Der Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohle hat längst begonnen und er wird irgendwann in den kommenden drei Jahrzehnten auch vollendet sein. Wann genau, hängt von vielen Dingen ab, von der Politik zuvörderst, vom technischen Fortschritt, vom Fortgang der Energiewende und dabei nicht zuletzt davon, wie lange noch konventioneller Grundlaststrom benötigt wird und zugleich günstig sein soll. Den vermutlich geringsten Einfluss auf das Auslaufdatum hat der Landesentwicklungsplan.

Die rot-grüne Landesregierung rettet drei Dörfer, mehr nicht. Die nach wie vor zum Abbau freigegebenen Mengen an Braunkohle würden noch immer bis Mitte des Jahrhunderts reichen. Dass sie wirklich ausgeschöpft werden, daran glaubt aber nicht einmal mehr RWE selbst. Insofern sind grüne Jubelrufe ebenso verfehlt wie liberale Horrorszenarien einer Deindustrialisierung.

Für das Klima ist es ohnehin nicht entscheidend, wie lange Braunkohle noch verfeuert wird, sondern wie viel. Je mehr Ökostrom die Netze flutet und vor allem je mehr die Netze davon künftig aufnehmen können, desto weniger werden die verbleibenden Kohle- und Gaskraftwerke ausgelastet sein. Die Politik muss aber die Frage beantworten, welche Kraftwerke zu welchen Konditionen als Reserve für wind- und sonnenarme Zeiten übrig bleiben sollen.

Braunkohle als Brennstoff mit der schlechtesten CO2-Bilanz ist auch der günstigste, weshalb die klimaschonenderen Gaskraftwerke derzeit meist stillstehen. Will die Politik dem Klima zuliebe mehr auf Gas setzen, wird sie höhere Preise vertreten müssen. So oder so läuft es auf einen Kapazitätsmarkt hinaus. Nach der Bundestagswahl 2017 kommt das Thema zurück auf die Tagesordnung. Ebenso wie ein sozialverträglicher Ausstieg aus der Braunkohle. Dann wird über die Zukunft des Rheinischen Reviers zu entscheiden sein, nicht vorher.

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