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WAZ: Politik in der Larifari-Show - Kommentar von Frank Preuß zum ESC

Essen (ots) - Der Eurovision Song Contest - ein Politikum? Wer im Fernsehen drei Stunden mit rundgelutschtem Trallala und undosiertem Feuerregen auf der Bühne erlebt hat, mag das erst gar nicht glauben. Aber in einem überhitzten Europa ist eben alles politisch. Noch dazu, wenn sich ausgerechnet Russland und die Ukraine um den Sieg streiten - was für eine Dramaturgie in einer Larifari-Show, die allerdings große internationale Aufmerksamkeit genießt.

Dass die russischen Kommentatoren hinter dem ukrainischen Sieg eine gesamteuropäische Verschwörung wittern, ist natürlich lächerlich, zeigt aber, wie aufgeladen die Stimmung ist. Sicher, ein Lied über die Vertreibung der Krimtataren unter Stalin macht den Russen in diesen Zeiten wenig Freude und ist, gemessen am lyrischen Qualitätsmaßstab des ESC, von epochalem Tiefgang. Wer aber glaubt, das schwierige Verhältnis zwischen Europa und Russland werde dadurch noch stärker belastet, der glaubt auch, dass Nicoles Liedchen "Ein bisschen Frieden" ein paar Kriege verhindert hat.

Im Getöse ging ein versöhnlich stimmendes Detail unter: Die Ukrainer fanden den russischen Beitrag am besten, die russischen Fans wählten den ukrainischen Titel auf Platz 2. Ist doch schön.

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