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WAZ: Kein gutes Blatt mehr für das Land - Kommentar von Michael Kohlstadt zu NRW-Spielcasinos

Essen (ots) - Der Wandel des klassischen Spielcasinos lässt sich in Zahlen gut dokumentieren. Noch größere Anschaulichkeit gewinnt der Bedeutungsverlust der NRW-Casinos aber mit Blick auf das in den Spielsälen vorherrschende Promi-Niveau: 1986 konnte die Spielbank Hohensyburg mit einem Weltstar wie Sammy Davis jr. locken. Die Eröffnung des damals größten deutschen Spielerparadieses geriet durch die Gala des US-Entertainers nachgerade zum gesellschaftlichen Top-Ereignis im Ruhrgebiet. In Aachen war es kürzlich Schlager-Rentner Bata Illic, der seine Hits zum Besten gab. Höhepunkt der Veranstaltung in der Automatenhalle des ältesten NRW-Casinos: eine Verlosung mit Preisen im Gesamtwert von 500 Euro.

Keine Frage: Die gute alte Spielbank mit ihrem sündigen Glanz hat abgewirtschaftet. Glücksspieler befriedigen ihren Spieltrieb heute bequem vom heimischen Computer aus. Und in unseren Innenstädten schießen Spielhöllen und Wettbüros wie Pilze aus dem Boden. Dem gut gemeinten Ansatz im NRW-Spielbankgesetz, das Glücksspielangebot in geregelte und überwachte Bahnen zu lenken, ist somit längst der Boden entzogen. Das Land sollte sich lieber aus dem politisch ohnehin fragwürdigen Poker um Spieleinnahmen verabschieden. Zum geordneten Übergang der Spielbanken in die Privatwirtschaft muss freilich eine Antwort auf die Frage gehören, wie man den Städten mit Casino-Standorten die in diesem Fall möglicherweise wegbrechenden Spielbankabgaben ersetzt.

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