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WAZ: Wie Erdogan Merkel demütigt. Kommentar von Lutz Heuken zu Merkels Türkei-Besuch

Essen (ots) - Es gab eine Zeit, da wäre es sinnvoll gewesen, mit der Türkei ernsthaft über eine EU-Mitgliedschaft zu verhandeln. Nach der Jahrtausendwende setzte der damals neue Premier Erdogan demokratische Reformen am Bosporus durch. Doch es war gerade die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die Europa bremste: Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie von einem EU-Mitglied Türkei gar nichts hält. Im Laufe der Jahre entpuppte sich Erdogan dann mehr und mehr als Despot - nicht zuletzt, weil er sich in der EU ohnehin keine Chance mehr ausrechnete. Die Demütigung durch die Europäer, namentlich durch Merkel, hat der selbstherrliche Erdogan in dieser Zeit nie vergessen. Dass er seine mächtige Berliner Widersacherin nun kurz vor der türkischen Wahl in Istanbul antreten lässt, ist für ihn eine große Genugtuung. Den Wählern soll das Stolz und Stärke signalisieren. Dass Merkel sich auf dieses durchsichtige Spiel einlässt, dass sie sich derart von Erdogan vorführen und demütigen lässt, deutet auf ihre fast verzweifelte Lage in der Flüchtlingsfrage hin. Wahrlich kein gutes Zeichen.

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