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WAZ: Jugend von heute, Jugend von morgen - Kommentar von Jens Dirksen zur Shell-Studie

Essen (ots) - Es ist schon fast erschreckend, wie klug, ja weise die Jugend von heute daherkommt. Sie hält am Idealen und hohen Zielen fest - und verfügt doch über einen Realitätssinn, für den die Jugend von früher noch eine ganze Menge Lebenserfahrung sammeln musste.

Beispiel Politik: Die jungen Menschen sind durchaus nicht einverstanden mit der Wirklichkeit, die sich ihnen bietet; aber ihr Protest entsteht nicht aus geschlossenen, ideologischen Weltbildern, sondern ganz pragmatisch aus der Beobachtung der Welt. Die wollen sie nicht pauschal verbessern, sondern nur an den Punkten, an denen sie nicht in Ordnung ist.

Sie glauben aber nicht mehr, dass die herkömmliche Parteipolitik hier noch große Wirkung entfalten kann. Und das liegt nicht nur am mangelnden Sex-Appeal von Ortsvereinsversammlungen. Es hat auch etwas mit der Beobachtung zu tun, dass die Politik von heute von echten und vermeintlichen Sachzwängen vor sich hergetrieben wird. Die kluge Jugend von heute sehnt sich nach Familie und würde dafür auch gern Teilzeit arbeiten.

Doch sie weiß (oder glaubt zu wissen), dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht von der Politik, sondern von der Wirtschaft bestimmt wird - und stellt deshalb den Kinderwunsch zurück. Hier läge eine Chance für die Politik: Wenn Parteien, Parlament und Regierung dafür sorgen könnten, dass die Wirtschaft familienfreundliche Arbeitsbedingungen schafft, würde das nicht nur den künftigen Kinderreichtum fördern, sondern auch die Glaubwürdigkeit des politischen Systems.

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