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WAZ: Ein Anschlag auf die Demokratie - Kommentar von Chefredakteur Andreas Tyrock

Essen (ots) - Mit dem Massaker von Paris hat der Terror gegen die freie Welt eine neue Dimension erreicht. Die Täter gingen derart erbarmungslos gegen die Journalisten und Polizisten vor, dass einem der Atem stockt. Das Morden bewegt und schockiert. Zugleich hat die Brutalität, getrieben von blindwütigem Hass und ungeahnter Feindseligkeit, den Menschen in den westlichen Demokratien und damit uns allen endgültig die Augen geöffnet. Die Bedrohung ist gegenwärtig.

Mord und Totschlag gehören in vielen Krisengebieten zum Alltag. Wir nehmen seit langem Anteil am Sterben in Syrien, im Irak, in Afghanistan oder im Nahost-Konflikt. Das Schicksal der Opfer berührt. Und doch waren sie bisher immer Hunderte, Tausende Kilometer entfernt. Emotional so nahe und geografisch so fern. Das hat sich seit gestern endgültig geändert. Der Terror steht vor unserer Tür.

Diese Erkenntnis ist grundsätzlich nicht neu. Terrorwarnungen gab es immer wieder, auch sind vereitelte oder missglückte Anschläge bekannt. Die Geheimdienste und Sicherheitskräfte wussten, dass eine Gefahr insbesondere von radikalen Islamisten ausgeht, die im Nahen oder Mittleren Osten zu Kämpfern ausgebildet wurden und Europa als Anschlagsziel haben. Vieles spricht dafür, dass die Mörder diesen religiösen Hintergrund hatten.

In den nächsten Tagen und Wochen wird es viele Diskussionen darüber geben, welche Konsequenzen aus der Tat zu ziehen sind. Klar ist, dass es die eine, die richtige Lösung nicht gibt. Klar ist auch, dass es die absolute Sicherheit nicht geben wird. Unbestritten sollte aber sein, dass die westlichen Gesellschaften jetzt zusammenstehen und sich wehren müssen. Sie müssen Härte und Stärke gegenüber radikalen Feinden zeigen, sie mit allen Mitteln demokratischer Staaten stellen und bestrafen - und zugleich die Werte der freien Welt leben.

Dazu gehören die Pluralität und die Meinungsfreiheit ebenso wie die Toleranz gegenüber andersdenkenden und andersgläubigen, unschuldigen Menschen. Der gestrige Anschlag von Paris war auch ein Anschlag auf die Demokratie. Dieses höchste Gut gilt es mehr denn je zu verteidigen.

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