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WAZ: Vorfahrt für die, die mehr bezahlen. Kommentar von Andreas Böhme zur Netzneutralität

Essen (ots) - Es ist ja nicht einfach mit diesem Internet. Immer voller wird es und jeder will darin etwas anderes. Filme gucken, Musik hören, Bilder versenden. Aus kleinen Datenrinnsalen sind längst breite Ströme geworden, und auf der Datenautobahn geht es zu wie auf der A40 zur Hauptverkehrszeit. Höchste Zeit, dass die Kanzlerin eingreift. Nein, beteuert sie, die Netzneutralität wolle sie nicht angreifen, grundsätzlich keine Daten bevorzugen. Nur ein paar Ausnahmen will sie den Internetanbietern erlauben. Vorfahrtstraßen für gut betuchte Kunden sollen sie einrichten dürfen mit grüner Welle für eilige Daten. Wer weniger zahlt, soll dennoch nicht im Stau stehen. Das nennt man wohl "Quadratur des Kreises". Natürlich wird das Internet auf diese Weise zu einer Zweiklassengesellschaft - und zwar schneller als manchem lieb sein dürfte. Denn allen Versprechungen und Kontrollen zum Trotz werden die Provider lieber Geld in Kunden stecken, die Gewinn versprechen. Es ist nicht verwerflich, dass sie das machen. Ärgerlich ist nur, dass Merkel es ihnen so leicht macht. Immer schön, wenn die Kanzlerin mal wieder unterwegs ist im Neuland Internet. Wäre nur besser, wenn sie sich endlich mal jemanden besorgt, der sich dort auskennt.

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