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WAZ: Gefährliche Pillen. Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Der deutsche Arzneimittelmarkt wird streng überwacht. 40 einzelne Ämter sind zuständig. Es kann nichts passieren - das glaubten selbst Experten. Seit einem halben Jahr ist ihr Glaube erschüttert. In immer kürzeren Abständen tauchen in Deutschland Medikamente aus Italien und jetzt Rumänien auf, die dort in großem Umfang geraubt wurden. Sie sind manipuliert und damit weniger wirksam - oder könnten es sein. In allen Fällen geht es um Substanzen, die Schwerstkranken helfen sollen. Es ist keine Beruhigungspille, dass bisher keine gesundheitlichen Schäden nachweisbar sind. Entscheidend ist: Wer steckt dahinter? Wo sind Lecks? Staatsanwälte glauben, dass die Mafia mitmischt - und einen sensiblen Kanal für illegale Arznei-Transporte nach Deutschland nutzt: den Parallelimport. Über den kommen legal hochwertige Medikamente ins Land, die im Ausland billiger sind. Eine Brustkrebstherapie kann 50000 Euro kosten. Verständlich, dass Krankenkassen drängen, gerade diesen Vertriebsweg zu nutzen. Doch wird die Welle der gefälschten Arzneien nicht gestoppt, muss der Staat entscheiden, ob diese Versorgungslinie noch sicher genug ist. Die Kostenfrage muss dann zweitrangig sein.

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