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WAZ: Der kalte Wirtschaftskrieg. Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Einen Erfolg zeitigen Europas neue Sanktionen gegen Russland bereits: Der alte Kontinent reagiert als Einheit auf Putins Bürgerkriegstreiberei in der Ukraine. Damit demonstriert das gerade in den USA als Debattierclub geschmähte Europa eindrucksvoll wie nie Handlungsfähigkeit. Die Blöße, weder von Putin noch Obama ernst genommen zu werden, konnte sich die EU nicht länger geben. Allein, dies droht der einzige Erfolg zu bleiben. Die Sanktionen folgen der Logik eines kalten Wirtschaftskrieges. Sie sollen Schaden anrichten und das werden sie. Die russische Wirtschaft taumelt längst am Rande der Rezession, treffen die Sanktionen den Energie- und Finanzsektor, stürzt sie hinein. Anders als ein Großteil der Bevölkerung honoriert das Kapital Putins harte Haltung nicht, sondern flieht. Firmen kommen kaum mehr an frisches Geld. Der Rubel rollt nur noch abwärts, was überlebenswichtige Importwaren verteuert. Auf die Menschen warten sinkende Löhne bei steigenden Preisen. Das eigentliche Ziel von Sanktionen, die Disziplinierung uneinsichtiger Autokraten, bleibt aber naive Theorie. Davor steht Putins gefährlicher Stolz. Gefährlich für Ukrainer wie Russen. Europa musste reagieren, aber es trifft mit seinen Sanktionen die Zivilbevölkerung - das ist der Preis für sein neues Selbstwertgefühl.

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