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WAZ: Gespenstischer Gedanke - Kommentar von Michael Kohlstadt

Essen (ots) - Noch ist nicht klar, ob die eingenähten Papierfetzen in den Kleidern, die so klingen wie Hilfeschreie aus der Hölle des Ausbeutertums, tatsächlich echt sind. Sollte sich das aber herausstellen, wäre der Vorgang ungeheuerlich. Denn der Gedanke ist gespenstisch: Näherinnen in stickigen Fabriketagen und gedemütigte Strafgefangene in fernöstlichen Zuchthäusern wissen sich nicht anders zu helfen, als die Produkte ihrer Arbeit selbst zu einer Art Flaschenpost in eine vermeintlich bessere Welt zu machen. Wie schlecht muss es Menschen gehen, dass sie glauben, auf diese Weise gerettet werden zu können?

Erneut steht Primark am Pranger - aber damit auch ein ganzes Geschäftsmodell, das letztlich von der bei uns weitverbreiteten Geiz-ist-Geil-Mentalität profitiert. Die Billigmodekette aus Irland flutet nicht ohne Grund auch den deutschen Markt. Und diese Region. In Essen, Gelsenkirchen, Dortmund und bald in Duisburg drängelt sich die meist blutjunge, überwiegend weibliche Kundschaft in den oft völlig überfüllten Primark-Filialen. Selbst das noble Düsseldorf konnte dem irischen Billigheimer nicht widerstehen.

Die Zettel, sollten sie authentisch sein, sind da wohl eine Art Weckruf an den Wohlstands-Westen.

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