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WAZ: Respektabler Abgang. Kommentar von Frank Preuß

Essen (ots) - Uli Hoeneß hat das letzte Wort nicht den Gerichten überlassen, er hat gehandelt, das passt zu seinem Selbstverständnis. Er ist sich treu geblieben in seiner Rolle als Macher. Von der ist in den Wochen seines beispiellosen Absturzes nichts mehr zu sehen gewesen. Sein Rückzug von allen Ämtern mag bereits zu spät kommen, mindestens als Aufsichtsratschef war er schon lange nicht mehr tragbar. Gleichwohl ist für Außenstehende nur zu erahnen, welche Kraft ihn der Schritt kostet - Bayern München ist sein Lebenswerk. Aber dass er auf eine Revision verzichtet und sich zumindest um die theoretische Chance auf ein milderes Urteil bringt, dass er nicht feilschen will, sondern die gerechte Strafe akzeptiert, zeigt Stärke und verdient Respekt. Natürlich mag es sein, dass Hoeneß auch die Sorge trieb, bei genauerem Durchleuchten seiner Steuerstraftaten könne es noch dicker kommen. Aber da ist auch der Familien- und Vereinsmensch Hoeneß, der sich und den Seinen womöglich weitere Monate eines medialen Schlachtfestes ersparen wollte, in einer Republik, die mittlerweile moralisch hyperventiliert, wenn Prominente auf der Anklagebank sitzen. Uli Hoeneß hat in seiner Karriere zahllose Menschen verprellt und bei all seinen Fähigkeiten auch ein Stück zum Bild des zuweilen überheblich wirkenden FC Bayern beigetragen. Er darf sich über Häme nicht beklagen. Aber auch er verdient die Chance zur Rehabilitation.

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