WAZ: Den Wandel kriegen wir hin. Kommentar von Thomas Wels

Essen (ots) - Heute geht wieder ein Stück Bergbau-Geschichte zu Ende. Wenn die Kumpel zum letzten Mal in Kamp-Lintfort ausgefahren sind, arbeiten in Deutschland nur noch drei Zechen: Auguste Victoria in Marl, Prosper-Haniel in Bottrop und das Bergwerk Ibbenbüren. Im Jahr 2018 ist dann ganz Schluss - es ist ein gewaltiger Strukturwandel in Gang gesetzt worden, der in Europa seinesgleichen sucht. Vor 20 Jahren waren noch 100000 Menschen im Bergbau beschäftigt. Heute sind es ein Fünftel davon. Diese Dimensionen sagen viel aus, auch über den langen Abschied von der Industrieregion. Jedenfalls, wenn man sich schlicht auf die Beschäftigten bezieht, die in Industriebetrieben Arbeit haben. Da gibt es aber nichts zu bejammern. Im Gegenteil kann das Revier stolz darauf sein, wie es diesen Wandel hinbekommt, ohne schwere soziale Brüche auszulösen. Zumindest ist das im Bergbau so. Und es sagt auch etwas aus, wenn chinesische Delegationen ins Ruhrgebiet reisen, um zu sehen, wie das geht: Organisation von Strukturwandel. Dazu gehört, Neues zu schaffen. Der Duisburger Hafen als Logistik-Drehscheibe, die IT-Ansiedlungen und Neugründungen in Dortmund rund um die Universität, der Ausbau der Gesundheitswirtschaft - es gibt sie, die Erfolgsgeschichten. Selbst wenn jetzt die Beschäftigtenzahlen in Industriebetrieben niedriger liegen als im NRW-Durchschnitt - na und? Im Herzen bleibt das Revier eine Industrieregion. Und das ist gut so. Wer Industrie kann, der kann auch Technologie, der steckt den Kopf nicht in den Sand. Für Unternehmen sind das beste Bedingungen. Immer wieder hört man von Mittelständlern, wie zufrieden sie sind mit Mitarbeitern, die aus dem Bergbau kommen. Verantwortung zu übernehmen für sich, die anderen und das Unternehmen - bei der harten Arbeit unter Tage ist das auch heute noch eine Überlebensfrage. Tradition gibt keine Arbeit, das stimmt. Sie darf auch nicht hinderlich sein auf dem Weg in die Zukunft. Was in der Vergangenheit zuweilen der Fall war. Tradition gibt aber auch Sicherheit, im Falle des Ruhrgebiets heißt die: Den Wandel kriegen wir hin.

Pressekontakt:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion 
Telefon: 0201 - 804 6519
zentralredaktion@waz.de