WAZ: Das Knöllchen, das nötig ist - Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Preistreiber Staat. Das wird der noch maßvollste Vorwurf sein, wenn bald das erste Zehn-Euro-Knöllchen im Briefkasten liegt. Es wird schon bei den Fahrern aufschlagen, die ihr Auto gerne mal 30 Minuten vor der Parkuhr abstellen, ohne sie zu füttern. Für viele ist das bisher ein locker kalkuliertes Risiko. Fünf Euro Verwarnungsgeld alle Jubeltage sind leicht investiert, wenn jedes einzelne Parkhaus-Ticket mindestens genau so viel kostet und Bus und Straßenbahn zum nächsten Ersten wieder Tarife erhöhen. Auch unter Parksündern gibt es Schnäppchenjäger. Kalkulieren müssen aber auch die Kommunen. Und ihr politischer Auftrag ist es, die Innenstadtlagen vor dem Verkehrsinfarkt zu schützen. Hier liegen für die Bürger immer noch zentrale Einkaufs- und Versorgungsquellen. "Parkraumbewirtschaftung" in der City dient also - neben dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und zunehmend der Radwege - als wichtige Steuerung. Dass der Bundesverkehrsminister nach 22 langen Jahren jetzt mäßig härtere Bandagen gegen Regelbrecher zulässt, ist nicht Preistreiberei. Es hilft bei der Rettung der City.

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