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WAZ: Fingerspitzengefühl beim Trödel gefragt - Kommentar von Frank Meßing

Essen (ots) - Wenn am ersten Sonntag im Monat der Antikmarkt im Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum vormittags öffnet, bricht regelmäßig der Verkehr auf der A 40 zusammen. Auch andere Trödelmärkte sind wahre Publikumsmagneten. Stöbern ist in - bei jedem Wetter. Rot-Grün betritt dünnes Eis, wenn das Bündnis die ordnungspolitische Axt ansetzen und der Deutschen liebgewonnene Freitzeitbeschäftigung einschränken will. Zum Trödelmarkt geht man nicht nur, um nach alten Sammlerstücken Ausschau zu halten. Die vollen Taschen der Schnäppchenjäger zeigen, dass es auch großen Bedarf gibt, günstige Konkursware und Artikel zweiter Wahl zu kaufen, die fliegende Händler zu Schleuderpreisen verkaufen. Natürlich ist diese bislang kaum reglementierte Jagd auf Sonderangebote mit der Sonntagsruhe nicht vereinbar. Natürlich leiden der alteingesessene Einzelhandel und die kränkelnden Innenstädte unter diesen mobilen Resterampen. Letztlich profitieren aber auch die klammen Kommunen von den gut zahlenden Ramschhändlern, die bei Straßenfesten und Jahrmärkten auf öffentlichen Plätzen satte Standgebühren in die Stadtkassen spülen. "NRW im Herzen" - mit diesem Slogan hat Rot-Grün die Wahl gewonnen. Die Regierung wird Fingerspitzengefühl beweisen müssen, wenn sie ihren Wählern gleich zu Beginn der Legislaturperiode Einschränkungen ihrer Freizeitgewohnheiten am Sonntag verordnet.

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