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WAZ: Einsperren reicht nicht - Kommentar von Sigrid Krause

Essen (ots) - Wegsperren - und zwar für immer! Diese spontane Reaktion auf ein grausames Verbrechen, dem ein kleiner oder großer Mensch zum Opfer fällt, ist nachvollziehbar und verständlich. Zugleich wissen wir: Dass ein Mensch lebenslänglich hinter Gittern landet, wird andere draußen vor dem Gefängnistor nicht von einer neuen Schreckenstat abhalten. Haft als "Abschreckung" wirkt nicht, selbst die Todesstrafe würde neue Verbrechen nicht verhindern. Klar ist aber auch: Das Grundgesetz gilt selbst für Verbrecher. Und jeder hat ein Recht auf eine zweite Chance. Muss schon in der Haft lernen, einmal ein Leben in Freiheit zu führen - wann auch immer das sein mag. Es ist also richtig, dass die Justizminister prüfen, wie sie auch die 2000 "Lebenslänglichen" in deutschen Gefängnissen auf ein straffreies Leben vorbereiten können. Können frühere Hafturlaube dazu ein probates Mittel sein? Zu verschieden sind Haftbedingungen, Fachpersonal, Arbeits- und Therapieangebote der einzelnen Haftanstalten - nicht zuletzt ist jeder Gewalttäter, jedes Verbrechen, ein Fall für sich. Pauschale Regeln verbieten sich deshalb in dieser Frage. Die Erprobung neuer Wege nicht.

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