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WAZ: Der Störfall der Gesellschaft - Kommentar von Jürgen Polzin

Essen (ots) - Nun also ist er wieder aufgebrochen, der gesellschaftliche Konflikt um die Nutzung der Kernenergie. Das Wendland erlebt die heftigsten Auseinandersetzungen seit vielen Jahren. Auf den letzten Kilometern bis Gorleben droht der legitime, friedliche Protest in Gewalt umzuschlagen. Es waren nicht nur Alt-68er und Anti-Akw-Veteranen, die am Wochenende auf die Straße gingen. Der Widerstand schien abgeflaut, nun aber hat er die gesellschaftliche Mitte erreicht. Es sind viele junge Menschen, die von der Regierung eine andere Energiepolitik fordern. Unter ihnen herrsche "unbändige Wut über die Arroganz der politischen Klasse", heißt es. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass nicht die Laufzeitverlängerung allein die Menschen in den Protest getrieben hat. Es war vor allem die Art und Weise, wie diese Entscheidungen zustande kamen: Durch nicht-öffentliche, nächtliche Verhandlungsrunden im Kanzleramt, denen der Geruch eines Hinterzimmer-Deals anhaftete. Es sind Chaoten, die diesen Protest missbrauchen und Krawalle anzetteln. Eine Eskalation der Gewalt aber verhindert den gesellschaftlichen Konsens, der in der Energiepolitik so nötig ist. Denn über allem steht die Frage: Wohin mit dem Atommüll? Die Antwort darauf haben in über drei Jahrzehnten mehr als ein halbes Dutzend Regierungskoalitionen auf die lange Bank geschoben.

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