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WAZ: Zeitungskongress - Vor der Zukunft ist uns nicht bange - Leitartikel von Thomas Wels

Essen (ots) - Achtung lieber Zeitungsleser, jetzt bitte nicht erschrecken. Es folgen einige Zeilen über "die digitale Revolution und die Zeitung". So lautet der Titel des Zeitungskongresses 2010, auf dem ab heute in Essen Verleger, Journalisten und Politiker über die Zukunft diskutieren, unsere Zukunft als Zeitungsmacher. Nicht Ihre. Ihnen geschieht nichts, kein Umstürzler weit und breit, der Ihnen das Papier aus der Hand reißt. Bestimmt nicht, dafür werden wir sorgen. Wie bisher auch schon, in dieser grob geschätzt 15 Jahre währenden Revolution. Nun ist es aber auch nicht so, als wäre nichts geschehen. Menschen, die sich für gut recherchierte Nachrichten interessieren, die mal gerne eine spannende Reportage lesen und sich über einen gegen den Strich gebürsteten Kommentar freuen, bekommen einiges davon heute gratis. Für Internet-Leser ist das prima, für uns ist das nicht so toll. Weil immer noch Volkes Mund recht hat: Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Das war wohl nicht eine der klügsten unternehmerischen Entscheidungen, getrieben von einer digitalen Aufbruchstimmung, angeschoben von der Welle der Euphorie am Neuen Markt. Hinterher ist man immer schlauer. Nun muss ein neues Geschäftsmodell her. Es ist schon ein seltsames Zusammentreffen: Ausgerechnet eine Zeit der größten wirtschaftlichen Umbrüche, die die Nachfrage nach Wegweisung, nach solider journalistischer Auf- und Erklärungsarbeit enorm erhöht, geht einher mit der Inflationierung des Wertes dieser Arbeit. Auch das werden wir überstehen. Von einer Identitätskrise des Journalismus, wie sie der Medienwissenschaftler Stephan Weichert entdeckt haben will, kann jedenfalls keine Rede sein. Viele Zeitungen sind viel besser geworden, haben sich modernisiert im Erscheinungsbild, wichtiger noch in der Art der Berichterstattung: Analysen, Hintergründe, Pro und Contra, Aufdeckung. Vor 15 Jahren waren Zeitungen auf Papier geronnene Tagesschau, heute sind sie aufregend, überraschend, unbequem. Was einen Preis hat. Eine gute Redaktion kostet Geld. Wir haben keine Angst vor der Zukunft. Wieso auch, ständig verändern wir das Blatt, jeden Tag machen wir es für Sie neu. Wer alle Stilformen des Journalismus beherrscht, wird auch den neuen, abgewandelten Journalismus fertigen können, passend für die verschiedenen Medienkanäle. Künftig werden wir Sie mit unseren Nachrichten versorgen ganz gleich, wo Sie sich aufhalten: über Smart-Phone oder I-Pad. Und die Zeitung, wie Sie sie in den Händen halten, bleibt Ihnen gewiss erhalten.

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