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WAZ: Urteil zu Glücksspiel und Wetten - Ende der Heuchelei. Kommentar von Andreas Böhme

Essen (ots) - Das Ziel klang ehrenwert. Vor Spielsucht und Abhängigkeit wollten die 16 Ministerpräsidenten der Bundesländer die Deutschen angeblich schützen, als sie 2007 den Glücksspielstaatsvertrag unterzeichneten. Alles Heuchelei. Die private Konkurrenz wollte man sich vom Hals schaffen, statt ihr mit eigenen Ideen Paroli zu bieten. Wie sonst lässt sich erklären, dass fleißig weiter geworben wurde für Lotto, Glücksspirale & Co. Oder dass die - für Vater Staat extrem rentablen - Spielautomaten und Kasinos weitgehend unangetastet blieben, obwohl sie nach Ansicht der meisten Experten ein weitaus höheres Suchtpotenzial besitzen.

Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen. Konnte sie auch gar nicht, in Zeiten, in denen in Europa immer mehr Grenzen fallen und es mit dem Internet ein Medium gibt, das erst gar keine Beschränkungen kennt. So war das nächste Wettbüro immer nur ein paar Mausklicks weit entfernt. Ohne dass der Staat irgendetwas kontrollieren oder lenken konnte. Und schlimmer noch: ohne dass er daran etwas verdiente. Deshalb ist es gut, dass der Europäische Gerichtshof nun endlich die Richtung vorgegeben hat. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Ministerpräsidenten unterwegs nicht wieder verlaufen.

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