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WAZ: Nach dem Klima-Debakel der Bahn - Systemfehler. Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Wahrscheinlich ist Rüdiger Grube verzweifelt. Höflich spricht der Manager nach einem Jahr an der Bahnspitze von einem "komplexen Unternehmen". Frecher formuliert: Der Laden ist unregierbar. Jeden Tag passiert irgendwo irgendeine unmögliche Sache. In Duisburg haben sie mal eine Diesellok mit Olivenöl betankt.

Das Klimaanlagen-Debakel war also absehbar. Schon 2008 sind die ICE-Züge reihenweise wegen fehlender Kühlung ausgefallen. Bei den 44 ICE-2- Einheiten sind im Tagesschnitt elf Toiletten defekt. Es gibt zu dünne Achsen, zu schwache Bremsen, zu anfällige Weichen. Die häufiger auftretenden technischen Fehler im System Bahn decken grundlegende Schwächen auf.

Erstens: Der Konzern kauft seine Züge von der Stange. Prototypen sind nicht vorgesehen. Macken fallen erst im täglichen Betrieb auf. Man beschafft viel Schrott.

Zweitens: Wenn dann die Wartung funktionierte . . . Tut sie aber nicht. Statt 40 000 arbeiten noch 20 000 Techniker in den Werkstätten. Die Hälfte wurde weggespart.

Drittens: In vielen Bahner-Köpfen spukt noch das Behördenbewusstsein. Kundenbewusstsein? Das dauert immer noch.

Die Bahn hat eine große Zukunft. Aber vorher braucht sie eine Grundsanierung.

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