Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WAZ: Wahl stärkt Nationalisten - Belgiens Totengräber - Leitartikel von Gudrun Büscher

Essen (ots) - Die Europäische Union wird zunehmend eine Vereinigung von Sorgenkindern, die nach rechts drängen, in der Krise das Wir-Gefühl verlieren und sich auf sich selbst besinnen: Ungarn, die Niederlande, die Slowakei. Und jetzt auch noch Belgien. Dem kleinen Land, Heimat der EU, droht nach der Wahl die Spaltung. Die flämischen Nationalisten wurden unter Bart De Wever in Flandern die stärkste Kraft. Damit haben die hochverschuldeten Belgier in der schwersten Krise der Währungsunion und kurz vor ihrer EU-Ratspräsidentschaft den Konflikt in ihrem Land weiter verschärft. Das Wahlergebnis ist besorgniserregend. De Wever könnte zum Totengräber Belgiens werden. Wenn es nach ihm geht, zerfällt das Land in seine Einzelteile. Er will die unabhängige Republik Flandern, die Niederländisch spricht, und eine eigenständige französischsprachige Wallonie. Der Sprachenstreit ist Ausdruck des Dauerkonflikts, aber nur vorgeschoben. Es geht um handfeste wirtschaftliche Interessen und das Gefühl der Flamen, die Wallonen mit durchzuschleppen. De Wever steht für Entsolidarisierung. Und sein Siegeszug heißt auch für Europa nichts Gutes. Die Europäische Union will die Gemeinschaft stärken. Doch in der Krise verliert ausgerechnet diese Botschaft ihre Kraft.

Pressekontakt:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de

Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: