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WAZ: Unter Druck geraten. Kommentar von Walter Brühl

Essen (ots) - Von außen betrachtet war's simpel: Während Mark Webber auf seiner schnurgeraden Linie blieb, rammte ihm Kollege Sebastian Vettel plötzlich den eigenen Red Bull in die linke Flanke. Klarer Fall? Für die Rennfahrer-Kollegen Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Niki Lauda ja: Vettel, so ihre Meinung, sei schuld. Die italienische Zeitung La Repubblica lästerte: "Vettel fuhr wie ein Stuntman mit zu viel Kokain im Körper".

Nur: Ganz so einfach ist die Sache bei Weitem nicht. Die Erklärungen der Red-Bull-Teamleitung, wonach Webber Benzin sparen musste und Vettel, der selbst unter Druck von Hamilton stand, eigentlich nur aufhielt, lassen jedenfalls eine andere Einschätzung zu. Die Wahrheit ist wohl die, dass beide im Kampf um die Spitze mit unnachgiebiger Härte ihre Anteile an dem Crash hatten.

Ein Fehler der Boxenregie, die das Desaster hätte verhindern müssen? Auch das ist leicht gesagt. Team-Order ist laut Reglement bekanntlich verboten. Und selbst wenn verklausulierte "Hinweise" aus der Box kommen: Letzten Endes kommt es auf die Mitwirkung der Fahrer in den Cockpits an.

Vettel war's nicht alleine, aber er war beteiligt. Von daher hat das Bild des besonnenen jungen Mannes, der kaum noch Fehler macht, erste Kratzer bekommen. Das Ganze weist auf den immensen Druck hin, unter den er durch Webbers Siegesserie geraten ist. Und dieser Druck wird noch lange anhalten.

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