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WAZ: Kassenwechsel bringt fast nichts - Rezept für Hellseher. Kommentar von Wilfried Beiersdorf

Essen (ots) - Wenn man das ernst nimmt, was die Stiftung Warentest anregt, dann muss jedes Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse Hellseher sein. Wer seine Kasse wechselt, sollte schon jetzt wissen, dass er in Zukunft z.B. chronisch krank werden oder wegen Krankheit eine Haushaltshilfe brauchen wird. Was die fleißigen Tester an Informationen zusammengetragen haben, ist zwar löblich. Doch wer soll sich durch die jeweils drei Dutzend Kriterien von über 100 Krankenkassen wühlen, um durch einen Kassenwechsel vielleicht ein paar Euro sparen zu können? Das ist weltfremd - und lenkt von den grundsätzlichen Problemen unseres maroden Gesundheitssystems ab.

Nach drei Jahrzehnten mit ungezählten "Reformen" ist der Politik nichts mehr eingefallen, als das bisschen Wettbewerb zwischen den Kassen durch Einheitsbeiträge zu beseitigen. Um die sich dabei ergebenden Finanzprobleme vieler Kassen zu entschärfen, wurden die Zusatzbeiträge eingeführt.

Diese Beiträge sind zwar unsozial, doch die Politik kann endlich wieder den beliebten Rat geben: Wem die Zusatzbeiträge nicht passen, der soll die Kasse wechseln. Das ist aber ein nutzloses Rezept. Schon bald dürften alle Kassen Zusatzbeiträge erheben.

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