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WAZ: Kein Spaziergang für Hiesinger - Kommentar von Thomas Wels

Essen (ots) - Da hat Gerhard Cromme ganze Arbeit geleistet. Mit Heinrich Hiesinger hat der Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef nicht nur einen Industrie-Manager von tadellosem Ruf als Nachfolger von Ekkehard Schulz auserkoren, sondern zugleich ein Signal gesetzt. Nach Jahren enormer Investitionen ins Stahlgeschäft ist jetzt erstmal die Säule Technologie dran: Die Ertragsbringer Aufzüge, der Anlagenbau. Hiesinger hat bei Siemens als Industrie-Vorstand 40 Milliarden Euro Umsatz verantwortet und ist sicherlich eine gute Wahl für die anstehenden Zukäufe. Dass an der Personalie nicht einmal die Stahlleute auf der Arbeitnehmerbank Anstoß nehmen, spricht für eine nachvollziehbare Strategie im Sinne des Gesamtkonzerns. Stahl ist enorm konjunkturabhängig, Fehlentscheidungen haben die Werke in Brasilien und USA zu Liquiditätsfressern gemacht, die Industrie hat es bei den Rohstofflieferanten mit einem machtvollen Oligopol zu tun. Es gibt gute Gründe, an "Technologies" mehr Spaß zu finden. Ein Spaziergang wird Thyssen-Krupp für den bald Neu-Essener nicht. Die neue Konzernstruktur ist noch nicht eingeschliffen, die selbstbewussten Stahlleute werden trotz öffentlicher Sympathiebekundungen auf ihre Pfründe achten. Und Hiesinger hat es noch dazu mit drei enttäuschten Kronprinzen zu tun. Cromme, der Hiesinger zu Siemens holte, hat mit der Nachfolge von außen Mut bewiesen. Deshalb wird auch er noch einiges in der Hand behalten bei Thyssen-Krupp.

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