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WAZ: Gegen das Verrohen - Kommentar von Rolf Kiesendahl

Essen (ots) - Die Grausamkeit und Kälte, mit der Kassandras Peiniger handelte, ging auch den Richtern unter die Haut. Wohl deshalb lag das Strafmaß deutlich über der Forderung der Staatsanwaltschaft. Dem Mädchen geht es besser, es wird hoffentlich ein normales Leben führen können, irgendwann. Der Täter bleibt lange hinter Schloss und Riegel. Das ist gut so, doch damit ist längst nicht alles im Lot. Unsere Zivilgesellschaft muss Lehren aus dieser abscheulichen Tat ziehen. Eine lautet: Wir dürfen es nicht länger hinnehmen, wenn junge Menschen so verrohen. Generell ist uns eine Kultur des Hinschauens und Eingreifens abhanden gekommen: Wenn sich schon Zehnjährige Pornos und Hinrichtungsszenen auf ihr Handy laden, wenn Kinder im Internet jede Form von körperlicher und seelischer Gewalt erleben können, dann läuft etwas schief im Staate. Wer sich dagegen wendet, wird bestenfalls belächelt. Oft genug sind es die Eltern, die versagen, denen gleichgültig ist, was die Kleinen so treiben. Die sich lieber mit sich selbst beschäftigen. Wir brauchen Lehrer, die besser auf diese Situation vorbereitet sind. Und mehr Sozialarbeiter an den Schulen. Kinder wollen Vorbilder und Orientierung. Werte. Mal ganz altmodisch: Es muss nicht nur Bildung, vermittelt werden, sondern auch Herzensbildung.

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