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WAZ: Missbrauch und Kirche - Guter Wille reicht nicht. Kommentar von Daniel Freudenreich

Essen (ots) - Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und Erzbischof Zol-litsch haben bei ihrem Versöhnungstreffen guten Willen bewiesen. Staat und Kirche wollen künftig eng zusammenarbeiten, wenn es darum geht, Fälle von Missbrauch aufzuklären. Doch nun müssen die wohlabgestimmten Worte in der Praxis in ein konstruktives Miteinander umgesetzt werden.

Genau daran hapert es bislang. Die Leitlinien der Bischofskonferenz zum Umgang mit Missbrauchsfällen beinhalten nur vage, dass der Staat bei Verdachtsfällen einbezogen werden soll. Die Kirche wird diese Leitlinien bis zum Sommer überarbeiten - ein richtiger und überfälliger Schritt. So darf die Kirche nicht einfach den Staat im Staate spielen, der seine eigenen Regeln aufstellt, selbst richtet, und staatliche Ermittlungen nur als Anhang des Kirchenverfahrens sieht.

Bei all dem müssen aber die Opfer im Mittelpunkt stehen. Die Kirche muss einen Mittelweg finden zwischen mehr Kooperation mit dem Staat und dem Schutz der Opfer. Schließlich gibt es auch Geschädigte, die ihre Pein nicht vor Gericht aufgerollt sehen wollen, sondern vergessen möchten. Vor diesem Hintergrund ist eine automatische Anzeigepflicht in Verdachtsfällen heikel.

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