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WAZ: Gemeinsames Gedenken in Katyn - Putins Geste. Kommentar von Gudrun Büscher

Essen (ots) - Es war eine große Geste. Der russische Ministerpräsident Putin und sein polnischer Amtskollege Tusk gedachten erstmals gemeinsam in Katyn der Opfer des Massakers von 1940. Vor 70 Jahren hatte der sowjetische Geheimdienst auf Befehl Stalins 22 000 polnische Offiziere und Zivilisten erschossen und das Blutbad den Nazis in die Schuhe geschoben. 57 Jahre lang hatte die Lüge Bestand - bis Gorbatschow 1990 Glasnost wagte und den Russen ein Stück Wahrheit zumutete. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet, zum Prozess kam es nie. Bis heute sind in Russland die Verbrechen Stalins ein schwieriges Thema. Die Aufarbeitung seines totalitären Erbes kommt kaum voran. Zwischen Gorbatschows Eingeständnis und Putins Geste liegen verlorene 20 Jahre. Aber wenn die Menschen Aufrichtigkeit spüren, spielt Zeit keine Rolle. Doch das Potenzial von Willy Brandts Kniefall im Warschauer Ghetto hat Putins Geste nicht. Aber sie ist hoffentlich ein Schritt auf dem Weg Russlands zur glaubwürdigen Aufarbeitung der Sowjetzeit. Denn das ist die Voraussetzung, damit die osteuropäischen Staaten ihre Russland-Phobie ablegen können. Ehrlichkeit tut weh, aber sie schafft neues Vertrauen. Und daran mangelt es im Osten Europas. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-6528 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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