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WAZ: Havarie vor Australien - Pötte gegen Paradiese - Leitartikel von Achim Beer

    Essen (ots) - Das Great Barrier Reef gilt als eines der schönsten Naturwunder der Erde. Es ist die Heimat von Tausenden Arten und das Ziel von Millionen Touristen in jedem Jahr. Dass nun ein Kohlefrachter mit voller Fahrt auf dieses Riff gesetzt wurde und Treibstoff verliert, irritiert: Wie kann es sein, dass das Paradies zugleich Schifffahrtsroute ist?  So war es aber schon mit den Stränden der Bretagne, als 1999 die "Erika" dort versank. Und die "Pallas" scheiterte 1998 vor einem Vogelschutzgebiet, mitten im Nationalpark Wattenmeer. Irgendwo zwischen diesen beiden Ereignissen liegt das, was nun Australien blüht. Die "Erika" verlor 17 000 Tonnen Öl, die "Pallas" 90. Die "Shen Neng 1" soll 1000 Tonnen an Bord haben. Bedroht ist wohl nur ein Teil des Riffs, es ist 2300 Kilometer lang. Doch was, wenn die nächste "Shen Neng" ein Tanker ist?  Kürzlich hat ein Gericht im Prozess um die "Erika" die hohen Schadensersatzsummen bestätigt. Erstmals nahmen Richter den Schaden zum Maßstab, den die Umwelt genommen hatte, nicht die Geschäfte. Das ist gut. Naturparadiese und Schifffahrt werden sich ja nie sauber trennen lassen. Nun ist die Branche mit dem einzigen, was sie interessiert, an ihre Verantwortung erinnert worden: mit dem eigenen Geld.

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