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WAZ: Türkische Gymnasien - Parallel-Bildung - Leitartikel von Christopher Onkelbach

    Essen (ots) - Erdogan lässt nicht locker. Schon vor rund zwei Jahren überrumpelte der türkische Ministerpräsident Kanzlerin Merkel mit dem Vorschlag, es müsse türkische Gymnasien und Universitäten in Deutschland geben zur Förderung der Integration. Erdogan hat ja Recht: Wer seine Muttersprache kaum beherrscht, dem fällt das Deutsche schwer. Die Forderung nach muttersprachlichem Unterricht erheben auch deutsche Bildungsexperten. Das darf aber nicht erst im Gymnasium oder auf der Hochschule passieren. Wer an einer türkischen Universität studieren will, der kann unter 115 Hochschulen in der Türkei wählen. Private türkische Gymnasien gibt es bereits in Köln, Berlin und Hannover, weitere sind geplant. Ziel der Eltern ist es, ihren Kindern möge Diskriminierung erspart bleiben, und die zweite Sprache solle ihnen zum Vorteil statt zum Nachteil werden. Die Gefahr besteht, dass solche Einrichtungen ethnische Nischen bilden. Sie dienen nur insofern der Integration, wenn sie vermitteln, dass Bildung, kritisches Denken und Wissenschaft nicht im Widerspruch zu den Regeln des Islam stehen. Eine Parallel-Bildung aber ist nicht hilfreich. Die Forderung Erdogans sollte man daher eher als Aufforderung an das deutsche Bildungssystem verstehen, die Integration kreativer zu befördern.

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