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WAZ: Sexuelle Übergriffe - Macht-Missbrauch. Kommentar von Christopher Onkelbach

Essen (ots) - Missbrauch in katholischen Einrichtungen, Missbrauch auch an der als liberal gestarteten Odenwaldschule. Es gab ihn, den katholischen Missbrauch und auch den reformpädagogischen Missbrauch. Dass nun jeder mit dem Finger auf den anderen zeigt, verkürzt das Problem auf einen unfruchtbaren Streit. Natürlich sind die 68er nicht mitverantwortlich für die Untaten von Priestern. Das würde unterstellen, vor 1968 gab es das nicht. Doch auch die allzu frei ausgelebte Sexualmoral der 68er-Jahrgänge richtete Schaden an, "wir haben im Überschwang auch Fehler gemacht", räumte Daniel Cohn-Bendit ein. Aber ohne das vielleicht zu radikale Aufbäumen der damaligen Jugend würde an katholischen Gymnasien wohl immer noch geschlagen, müsste sexuelle Selbstbestimmung immer noch erkämpft werden. Die dogmatische Sexualmoral der Kirche aber blieb von der "Sexuellen Revolution" weitgehend unberührt. Auch deshalb findet man dort noch die alten Verklemmtheiten, die nicht mehr in die Zeit passen. Täter aber waren und sind immer Einzelne. Sie tragen die Verantwortung. Dass sie in Schulen, Chören, Vereinen oder Heimen Schutzzonen für ihre Taten fanden, dass die Macht der Institution den Missbrauch deckte und ermöglichte, ist der zweite Skandal. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-6528 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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