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WAZ: Wir brauchen eine breite Debatte. Kommentar von Birgitta Stauber-Klein

    Essen (ots) - Solange sich die Missbrauchsvorwürfe auf katholische Institutionen beschränkten, war die Ursachenklärung einfach: Es ist die verklemmte Sexualmoral, verursacht durch das Zölibat, dem sich Patres und Priester unterwerfen müssen. Doch nun ist es eine Reformschule, die am Pranger steht, und was ehemalige Schüler von dort berichten, ist nicht minder schockierend.

    Ein sexualisiertes Klima soll damals an der Schule geherrscht haben und die Angst, als Spießer geächtet zu werden, wenn man etwas gegen die Übergriffe sagte.

    Bei den Jesuiten war es die Erziehung voller Tabus und Heimlichkeiten hinter dicken Mauern, die es den Tätern leicht machte. In der Odenwaldschule wollte man die Tabus überwinden, was wohl zu neuem  Zwang und Missbrauch führte.

    Natürlich müssen nun die Verantwortlichen lückenlos die Taten aufklären. Runde Tische sind gut und wichtig, Entschädigungen  für die Opfer, Strafen für die noch lebenden Täter auch. Doch mit derartigen Aktionen ist es bei weitem nicht getan.

    Was war in den 60er-, 70er-, 80er-Jahren bloß los? Diese Debatte muss nun geführt werden, will man das Klima, in dem Missbrauch entsteht, aufarbeiten. Denn nur durch ein kollektives Wegsehen der Kirchen, Institutsleitungen und auch der Eltern ist es möglich, Kinder zu quälen, zu demütigen und zu missbrauchen.

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