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WAZ: Die letzte Chance - Kommentar von Sibylle Raudies

Essen (ots) - Der Sumpf ist tiefer, als selbst die ärgsten Kritiker vermutet haben. Täglich gibt es neue Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener in kirchlichen Einrichtungen. Und immer mehr kommt hoch, das mancher Kirchenvertreter gern verschwiegen hätte. Sicher, die schwersten körperlichen Züchtigungen fanden vorwiegend in den 60-er Jahren statt. Aber das mit "damals eben anderen Erziehungsmethoden" zu entschuldigen, wie geschehen, ist schamlos. Da hat ein Geistlicher überhaupt nichts begriffen. Der sexuelle Missbrauch innerhalb kirchlicher Mauern scheint sich ohnehin nicht auf die Vergangenheit zu beschränken. Dass das Kloster Ettal selbst einen Ermittler beauftragt hat, der nun auch schonungslos der Öffentlichkeit berichten durfte, ist sicher der einzig richtige Weg zu einem Neuanfang. Rechtanswalt Thomas Pfister hat denn auch betont, dass das Kloster sich sehr gewandelt habe. Damals habe eine Kultur des Wegsehens geherrscht, heute sei man ehrlich um Aufklärung bemüht. Eine andere Chance hat die Kirche auch gar nicht mehr. Je mehr bekannte, aber totgeschwiegene Missbrauchsfälle wie bei den Regensburger Domspatzen aufgedeckt werden, desto weiter schmilzt das Vertrauen in die Kirche. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-6528 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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