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WAZ: Arbeitspflicht für Arbeitslose - Jobs für alle? - Leitartikel von Stefan Schulte

    Essen (ots) - Roland Koch spricht gern und oft aus, was die Mehrzahl der Bürger denkt. Dass Arbeitslose etwas für ihr Geld tun sollen, ist so ein Satz, der provoziert, aber von einer großen Mehrheit unterschrieben wird. Tatsächlich ist eine Gegenleistung für staatliche Hilfe nicht zu viel verlangt. Aber der Staat verlangt sie bereits. Seit Hartz IV gilt praktisch jede Arbeit als zumutbar, gemeinnützige in der eigenen Kommune ohnehin. Doch nicht alles, was dem Gemeinwohl dient, ist auch wirtschaftlich sinnvoll. Für Kochs Forderung, jeder Langzeitarbeitslose solle gemeinnützig tätig sein, bräuchte es schlappe zwei Millionen Jobs bei Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Einrichtungen. Für jeden Handwerksgesellen und jede Pflegekraft mit befristetem Arbeitsvertrag muss das die reinste Horrorvorstellung sein. Es wäre naiv zu glauben, dies könnte ohne Folgen für den ersten Arbeitsmarkt bleiben. Von den klammen Kommunen zu erwarten, sie würden sich sklavisch an die Grenzen gemeinnütziger Arbeit halten, wäre nicht minder naiv. Die Erfahrungen mit ABM und Ein-Euro-Jobs sollten genügen, um das Gegenteil zu erwarten. Davon abgesehen: Arbeitslose nur Dinge tun zu lassen, die es in der echten Wirtschaft gar nicht gibt, hat sich als Vermittlungsstrategie nicht eben bewährt.

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